Infobrief für Eltern
Thema:
Kalt und warm ums Herz-
Was tun, wenn Kinder trotzen?
Trotzen, was ist das ?
Schlägt man im Lexikon unter "trotzen" / "Trotzphase nach, so findet sich hier folgende, recht brauchbare Definition:
"Seelische Abwehrhaltung gegenüber fremder Autorität, häufig mit Affektausbrüchen (Wut) verbunden:"
Doch dieser Versuch einer Umschreibung von dem, was wir "Trotz" bezeichnen, reicht nicht aus, um das Trotzen des Kindes als solches zu verstehen.
Die Trotzphase ist gekoppelt an den Aufbau der eigenen Ich-Identität des Kindes. Um sich als eigenständiges Wesen zu erfahren, muss es sich von den Personen, auf deren Hilfe es bislang unabdingbar angewiesen war, in gewisser Weise lösen.
Unbewusst tut das Kind dies, indem es die Bezugspersonen, die es bisweilen als ausschließlich "Gut" empfunden hat (weil es sich selbst bis jetzt durch diese definiert hat), aufgespaltet in "gut" und "böse". Es lernt zu differenzieren, dass "Mama" und "Papa" nicht nur "lieb" sondern sehr wohl auch "böse" werden können. Sätze wie "Du bist böse!" oder "Geh weg!" sind sicherlich den meisten Eltern vertraut. Diese Aufspaltung der Eltern in "gut" und "böse" ist für das Kind notwendig, um sich als eigenständiger Mensch weiterzuentwickeln und gleichzeitig von den Eltern distanzieren zu können. Eine nichtdurchlebte Trotzphase hätte zur Folge, dass das Kind auch später alles, was die Eltern sagen, fordern bzw. Vorleben, bedingungslos annehmen müsste, da diese Eltern ja ausschließlich positiv besetzt sind.
So ist es dann nicht verwunderlich, wenn der mittlerweile 30-jährige, verheiratete Sohn immer noch alles tut, was "Mutter" sagt, weil "Mutter" nicht böse sein darf (obwohl er durch dieses Verhalten seine eigene familiäre Situation stark belastet).
Somit können die o. g. Lexikondefinition erweitert werden auf die "notwendige seelische Abwehrhaltung gegenüber fremder Autorität" (hier im besonderen auch die Eltern), um sich als eigene Persönlichkeit weiterentwickeln zu können.
Aus dieser Kurzbeschreibung dessen, was wir als "trotzen" oder "Trotzphase" bezeichnen, wird klar, dass es sich hierbei nicht nur um einen negativen Beigeschmack der ständigen Auseinandersetzung mit dem Kind handelt, sondern vielmehr auch um eine notwendige Entwicklungsphase, die wir akzeptieren lernen müssen.
Dieser erste Schritt scheint mir besonders wichtig, um Eltern die Notwendigkeit der Trotzphase zu verdeutlichen und ihnen Hilfestellung zu bieten, die innerpsychischen Vorgänge ihres Kindes besser verstehen zu lernen. So manche "Schikane" des Kindes rückt damit in ein anderes Licht und zieht nicht selten die Frage von "festhalten und loslassen"? nach sich.
Hier einige Denkanstöße:
Das Kind wird versuchen die Eltern in einen Kampf von Macht und Ohnmacht einzubinden. Nicht selten sind dabei die Eltern die "Ohnmächtigen" indem sie vor Verzweiflung schreien oder ihnen vielleicht die Hand "ausrutscht".
Es liegt in der "Macht" der Eltern, sich diesen Situationen auszuliefern oder zu entziehen Durch konsequentes Verhalten (ohne strafenden Charakter) können sie selbst die "Spielregeln" bestimmen.
Eine Konsequenz besteht immer aus einer logischen Folge, in der ich dem Kind die Entscheidung lasse, ob es die gesetzten Grenzen überschreiten will und damit die angekündigte Folge auf sich nimmt.
Beispiel: "Wenn du jetzt keinen Hunger hast, dann wirst du das Essen später kalt essen, weil ich keine Lust habe, ständig am Herd zu stehen. "
Die Konsequenz sollte so logisch sein, dass sie mir selbst als Erwachsener auch sinnvoll erscheinen. Unsinnig wäre z. B. "Wenn du jetzt nicht isst, gehst du heute Abend früher ins Bett" (Würden Sie als Erwachsener eine solche Logik akzeptieren?)
Die angekündigte Konsequenz sollte dann auch eingehalten und durchgeführt werden. Sie bieten somit dem Kind einen sicheren Rahmen, in dem es lernen kann selbst zu entscheiden.
Abschließend möchten wir noch einige Problemsituationen aufgreifen, die uns gerade im Hinblick auf die Trotzphase wichtig zu sein scheinen:
Wenn das Kind sagt: "Mama ist böse" oder "Ich mag dich nicht", dann teile ich als Eltern dem Kind mit das ich ganz traurig bin. Diese Äußerung von Ihren eigenen Gefühlen, wird in der Regel ihre Wirkung beim Kind nicht verfehlen. Sie sollten allerdings überdenken, ob das Kind wirklich der "Schuldige" ist oder ob die Traurigkeit daher resultiert, dass Sie spüren, dass ihr Kind sich langsam loslöst.
".........und dann rutscht mir die Hand aus:"
Das "Handsausrutschen" als Ohnmachtsreaktion ist sicherlich verständlich bzw. aus so mancher gestressten Elternsituation heraus nachvollziehbar. Ebenso sicher ist diese Situation nicht als Erziehungsmittel im Sinne von logischem Lernen zu bewerten. Ist die Hand einmal ausgerutscht, sollte ich mir als Elternteil auch nicht zu schade dafür sein, die eigene Schwäche vor dem Kind einzugestehen. Hierzu gehört dann allerdings wirkliche Stärke!
Wir hoffen, es hilft Ihnen beim nächsten Mal weiter, wenn Ihr Kind trotzig ist. Haben Sie Geduld - Sie schaffen es!!!
Liebe Grüße
Ihre Elsiabeth Bermaoui und Ingrid Dressler